Ischiasnervbeschwerden mit TENS – Elektroden behandeln

Behandlung mit Elektroden

Elektrostimulation hilft bei Ischiasschmerzen

In Deutschland leben fast 7 Millionen Menschen mit Schmerzen. 600.000 von ihnen leiden an chronischen Schmerzen. Schlimmer als normale Schmerzen sind Beschwerden, die noch zusätzlich die Bewegungsfähigkeit einschränken. Das ist bei Patienten mit Ischias-Schmerzen der Fall.

 

Was sind Ischiasschmerzen und wie entstehen sie?

Der Ischiasnerv ist der längste, größte und dickste Nerv des Körpers. Man zählt ihn zu den Bein-Nerven, da er wichtige Beinmuskeln versorgt. Ohne sie könnte man beispielsweise den Fuß nicht abrollen. Außerdem sorgt er dafür, dass man Beine, Unterschenkel und Füße spürt. Der Nerv tritt im unteren Wirbelsäulenbereich aus dem Rückenmark heraus und reicht bis zu den Füßen. Da er in der Hüft-Region beginnt und sein Nervengeflecht das ganze Gesäß überzieht, nennt man ihn auch Hüft- oder Gesäßnerv.

Ist der Ischiasnerv beschädigt, eingeklemmt, gereizt oder entzündet, kommt es zu unangenehmen, oft stechenden, brennenden oder ziehenden Schmerzen (Ischialgie). Sie sind meist auf eine Körperseite, auf Hüfte und Beine beschränkt oder strahlen vom Kreuz bis in die Füße aus. Mitunter werden sie noch von Taubheitsgefühlen, Kribbeln in den Beinen oder Knie-Schmerzen begleitet.

Ursachen für Ischias-Beschwerden sind

  • eine degenerative Abnutzung verdickter Wirbelgelenke
  • eine Verengung des Wirbelkanals
  • ein infolge eines Unfalls eingeklemmter Ischiasnerv
  • eine durch Infektionen hervorgerufene Nervenwurzel-Entzündung
  • eine eingesetzte Hüftprothese
  • Durchblutungsstörungen
  • Tumore
  • Wirbelbrüche
  • Bandscheibenvorfall
  • ungeschickte ruckartige Bewegungen
  • zu schweres Heben

Häufigste Ursache von Ischias-Schmerzen sind Bandscheibenvorfälle. Sie betreffen meist den vierten und fünften Lendenwirbel oder den fünften Lendenwirbel und ersten Kreuzbeinwirbel. Die Bandscheiben-Erkrankung kann schon in jungen Jahren auftreten und verursacht immer starke Schmerzen. Weiter unten, nachdem sich der Ischiasnerv in zwei Stränge geteilt hat, kann es durch Hüftoperationen, Verletzungen oder falsch gesetzte Spritzen zu Beschwerden am Ischiasnerv kommen. Häufig können Ischiasnervleiden auch zu Depressionen führen.

Ischias-Schmerzen und TENS Elektrotherapie

Der Ischias-Geplagte benötigt eine wirksame Schmerztherapie. In manchen Fällen verschafft ihm schon eine konservative Schmerz-Behandlung mit Schmerzmitteln Linderung. Mitunter ist jedoch sogar ein operativer Eingriff notwendig, um die Ursache der Beschwerden zu beseitigen. Auch eine Elektrotherapie ist eine bewährte Methode der Schmerzbekämpfung.

Eine probate Methode ist die TENS Reizstromtherapie. Die Transkutane Elektrische Nervenstimulation kann sogar beim Patienten zuhause durchgeführt werden. Der Hersteller stellt dem Kranken das Gerät leihweise zur Verfügung. Die TENS Therapie wird seit mehr als 30 Jahren von Ärzten und Physiotherapeuten angewendet und ist sehr gut verträglich. Bei ihr kommt schwacher Wechselstrom mit niedrigen (2 bis 4 Hz) oder hohen (80 bis 100 Hz) Frequenzen zum Einsatz.

Die Anwendung der TENS Elektrotherapie ist so einfach, dass der Patient sie nach entsprechender Einweisung durch den behandelnden Arzt selbst durchführen kann. Das Gerät besteht aus dem Zigarettenschachtel großen, batteriebetriebenen und nur 250 g schweren Impulsgenerator und Elektroden von einigen Quadratzentimetern Größe, die nahe den schmerzenden Stellen aufgeklebt werden.

Da nur Schwachstrom zur Anwendung kommt, verspürt der Patient lediglich eine leichtes Kribbeln auf der Haut oder geringere Missempfindungen.

Der Strom löst Gegenreize aus, die dafür sorgen, dass die eigentlichen Schmerz-Impulse nur in geringerer Intensität im Gehirn oder Rückenmark ankommen.

Dadurch wird der Schmerz spürbar reduziert.

Was muss man bei der Anwendung der TENS Schmerztherapie beachten?

Der Arzt entscheidet, ob die Methode angewendet werden sollte oder nicht. Außerdem weist er den Schmerzpatienten in den Umgang mit dem Reizstrom-Gerät ein. Er legt die Stromstärke fest, wie oft man es einsetzt und wo die Elektroden platziert werden.

In der Regel wendet der Ischias-Kranke die TENS Schmerztherapie täglich 3- bis 4-mal für 30 bis 45 Minuten an. Empfohlen wird eine Behandlungsdauer von mindestens 6 Wochen. Die Stromstärke muss – falls der Patient mehr als nur ein Kribbeln verspürt – eventuell reduziert werden. Die Elektroden dürfen unter keinen Umständen auf Wunden, gereizte Haut oder Hautentzündungen aufgebracht werden.

Lässt die Wirkung der TENS Reizstromtherapie nach – das ist meist nach einigen Wochen der Fall – sollte der Patient einige Zeit pausieren und dann seine Behandlung fortsetzen. Es empfiehlt sich, vor dem Einschalten des Geräts das Handy abzuschalten, da die von ihm ausgestrahlten Funkwellen die Elektronik des TENS Impulsgenerators stören.

Die TENS Elektrotherapie eignet sich noch zusätzlich zur Behandlung von

  • Arthrose
  • Durchblutungsstörungen
  • Muskelrheumatismus
  • Lähmungen

und anderen Erkrankungen. Sie wird in der Regel gut vertragen. In seltenen Fällen kann es jedoch zu leichten Hautirritationen und psychisch bedingtem Schmerz-Syndrom kommen.

Patienten mit größeren Metall-Implantaten wie zum Beispiel Hüftprothesen und Herzschrittmachern sollten die Anwendung der TENS Therapie zuvor mit dem behandelnden Arzt absprechen. Personen, die schwere Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz oder Epilepsie haben, verzichten besser auf das Gerät, da es sonst zu Komplikationen kommen könnte.

 

TENS Burst Stimulation und Ultraschall

Eine weitere Methode der symptomatischen Schmerztherapie ist die TENS Burst Stimulation. Sie funktioniert wie Akupunktur und stimuliert noch präziser bestimmte Punkte, an denen die Ischiasbeschwerden auftreten. Dadurch werden vermehrt Endorphine freigesetzt. Die „Glückshormone“ sorgen dafür, dass der Patient die quälenden Schmerzen nicht mehr spürt.

TENS Burst hat eine länger anhaltende Wirkung als die TENS Reizstromtherapie. Kombiniert man beide TENS Anwendungen miteinander, wird der Schmerz schnell und lang anhaltend unterdrückt.

Bei der Mikro-Vibrationsmassage mittels Ultraschall werden hochfrequente Schwingungen von etwa 1 MHz eingesetzt, die nicht spürbare Vibrationen im Körper erzeugen und die Ischias-Schmerzen ebenfalls wirkungsvoll reduzieren können. Der Schallkopf des Geräts wird mit einem Kontakt-Gel bestrichen und dann mit kreisenden Bewegungen über die zu behandelnden Stellen geführt.

Das Ultraschallgerät kann kontinuierliche oder gepulste Schallwellen abgeben. Letztere erwärmen die erkrankte Hautstelle nur geringfügig.

Bildquelle: bigstock-ID-100769486-by-Kattitude

Ein Kommentar

  1. Dr. Jansen sagt:

    Liebe Redaktion, vielen Dank für Euren Artikel.
    In diesem Zusammenhang liest man mittlerweile seit einiger Zeit auch regelmäßig, dass es neben der TENS Technik noch eine Weiterentwicklung gibt nämlich die sog SFMS Technik (Small Fiber Matrix stimulation).
    Nämlich, so wie ich verstehe, die ganz gezielte Stimulation sog Small Fiber also der schmerzfasern. Auch nicht-invasiv und transkutan. Nur halt andere Reize aufgrund ganz anderer elektroden. Damit eine noch gezieltere schmerzbehandlung.
    Ich denke das solltet Ihr mit aufnehmen, um dieses Thema komplett zu beleuchten. Mehr Infos dazu gibt’s bestimmt im Netz.

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